Personalmisere bei Schiedsrichtern
Bericht aus der Rhein-Zeitung vom 10.07.2013:
Seniorenspiele können nur mit großer Mühe besetzt werden – Einige Vereine pfeifen aufs Soll
Kreisgebiet. Die Schiedsrichter-Situation bleibt angespannt. Die Zeiten, als die Ansetzer im Fußballkreis Rhein/Ahr noch bei über 200 Unparteiischen aus dem Vollen schöpfen konnten, gehören längst der Vergangenheit an. Schon seit Jahren können die Spiele der Senioren nur deshalb noch besetzt werden, weil viele Doppel- und Dreifachschichten gefahren werden. Eine umfassende Besetzung der Jugendspiele bleibt ein frommer Wunsch.
Alle Bemühungen, Appelle und Aktionen scheinen immer weniger zu fruchten – die Zahl der verfügbaren Spielleiter hat sich bei rund 160 eingependelt. Ende des Spieljahres 2012/13 waren es 158, ein Dutzend davon sind Frauen. So viel scheint festzustehen: Die bereits vorhandenen Probleme bei der Ansetzung werden sich weiter zuspitzen. Immer häufiger bleiben Spiele unbesetzt, auch schon in der D-Klasse. Es gibt Gründe für die anhaltende Misere. Das Manko wächst zum Beispiel, weil immer mehr Spielgemeinschaften gebildet werden. Zudem gibt es immer wieder Vereine, die lieber Bußgelder entrichten als sich erfolgreich um die Erfüllung des Schiedsrichter-Solls zu bemühen.
Manche haben bereits zum wiederholten Mal Bußgeld gezahlt. Die Rechnung ist einfach: „Das kommt uns immer noch billiger, als einen Schiedsrichter ein Jahr lang auf der Liste zu haben.“ Die Aufweichung des Paragrafen 3 der Spielordnung, in dem das Schiedsrichter-Soll festgeschrieben ist, spielte den Klubs in die Karten.
Die jüngst beim Verbandstag beschlossene, vorerst auf drei Jahre begrenzte Neufassung, bringt weitere Erleichterungen für die Vereine: Der Zwangsabstieg wird um weitere zwölf Monate hinausgeschoben (erst im vierten Jahr), der Grundschiedsrichter bei Spielgemeinschaften wird erst ab 2014/15 gefordert. Die Personalmisere wäre noch Besorgnis erregender, wenn es nicht Vereine gäbe, die über ihr Soll hinaus Schiedsrichter abstellen. Hierzu zählen insbesondere TuS Oberwinter mit fünf und SV Oberzissen mit drei zusätzlichen Schiedsrichtern (siehe Bericht unten auf der Seite).
Hinzu kommen die „Dauerbeschäftigten“. Franz Josef Drothen aus Bad Breisig war im Schnitt jeden dritten Tag mit der Pfeife unterwegs, er brachte es auf 128 Einsätze. Benjamin Klapper (Andernach) packte 106-mal seine Tasche und Lothar Thünker (Sinzig) 104-mal. Auch die Bilanz von Thomas Lethert aus Hümmel (89), Walter Lauterbach aus Plaidt (86), Fabian Schneider aus Gelsdorf (79), Alexander Mürtz aus Plaidt (77) und Hans Erich Möller aus Leimbach (68) kann sich sehen lassen.
Bemerkenswert ist der Eifer von Klaus Heinz aus Andernach, der als 74-Jähriger und Ältester noch 61-mal auf Reisen ging. Im Rhein/Ahr-Kreis, so teilt Obmann Markus Wozlawek mit, belaufe sich die Zahl der Abmeldungen/Streichungen auf 20, die Zahl der Neulinge auf 21 Schiedsrichter. „Das sieht auf den ersten Blick keineswegs dramatisch aus“, so Wozlawek: „Doch es wächst die Zahl derer, die selten bis gar nicht pfeifen. Zudem werden immer jüngere Anwärter gemeldet, die dann auch noch selbst kicken, sodass die Einsatzmöglichkeiten stark eingeschränkt sind.“
Der Ausschuss möchte sich von Karteileichen trennen. „Lizenzinhaber, die nur auf dem Papier vorhanden sind, sollen in der neuen Saison gestrichen werden“, stellt der Obmann klar.
6500 Euro an Bußgeldern
Vereine/Spielgemeinschaften, die ihr Schiedsrichter-Soll nicht erfüllen, zahlen Bußgelder, deren Höhe sich an der Zugehörigkeit der ersten Mannschaft orientiert. Vereine der Rheinlandliga müssen vier, der Bezirksliga drei, der Kreisklasse A, B und C zwei und der Kreisliga D einen Schiedsrichter stellen. Rheinlandligisten müssen 400 Euro in der ersten Saison bezahlen, Bezirksligisten 350 Euro, Kreisligisten 300 Euro. Im zweiten Jahr verdoppelt sich die Summe. Für Spfr Monreal wird es eng, dem C-Ligisten droht der Zwangsabstieg. 2012/13 flossen 6500 Euro in die Verbandskasse von: Spfr Monreal (900 Euro), SG Ettringen, TuS Kottenheim, DJK Plaidt, BSC Unkelbach, SC Wassenach und SG Wierschem (je 600), SpVgg Burgbrohl (400), SG Andernach und FC Plaidt (je 350) sowie SV Gering-Kollig, SG Hatzenport-Löf und SV Kürrenberg (je 300).
Kommentar von Holger Krämer (Geschäftsführer DJK Plaidt Fußball):
Der Bericht aus der Rhein-Zeitung hat es treffend beschrieben, „die Schiedsrichter-Situation bleibt angespannt.“ Die alleinige Schuld dafür bei den Vereinen zu suchen, ist jedoch nicht fair. Jeder Verein ist bemüht ein ausreichendes „Soll“ an Unparteiischen zur Verfügung zu stellen, anders als oben beschrieben. Über Jahre konnte die DJK Plaidt dieses Soll teilweise sogar übertreffen. Sobald jedoch nur noch ein Schiedsrichter (anstatt zwei) zur Verfügung steht, werden horrende Bußgelder verhangen (600 Euro für die Saison 2012/2013). Der Fußballverband Rheinland stellt damit mal wieder seine Sonderstellung dar. Denn in den meisten anderen Bundesländern, werden keine Sanktionen gegen ihre Vereine diesbezüglich durchgeführt.
Des Weiteren sieht die aktuelle Situation bei der DJK Plaidt anders aus, als es nach diesem Artikel den Anschein hat. Seit dem 01.01.2013 stellt unser Verein drei Unparteiische, ab dem 01.08.2013 sogar vier, also zwei mehr als nötig. Immerhin könnte die DJK nun durch die Neufassung des Paragrafen 3 der Spielordnung, in der die Gestellung von Schiedsrichtern geregelt ist, profitieren. Denn ab der neuen Saison gilt: „Vereine beziehungsweise Spielgemeinschaften, die während des gesamten Spieljahres mehr Schiedsrichter gestellt haben, als sie nach der Sollzahl des Paragrafen 3 Spielordnung stellen müssten (Soll-Übererfüllung), erhalten eine Vergütung in einer vom Präsidium jeweils zu Beginn des folgenden Spieljahres festzulegenden Höhe.“ Damit würden sich die Kosten für die Schiedsrichter-Gestellung zumindest etwas reduzieren, denn klar ist auch: Zum Nulltarif pfeift heute kaum noch jemand.