Interview des Monats Mai 2013

 

Holger Krämer blickt auf die vergangenen Monate zurück: „Die Erwartungshaltung an die Mannschaft war zeitweise einfach zu hoch.“

DJK-Fußball-Geschäftsführer Holger Krämer im Gespräch mit www.djkplaidt.de über die aktuelle Saison, die Planungen für die Zukunft und die Chancen, die er für den Verein sieht.

 

Zum Interview bringt der sportliche Leiter der DJK sein Handy nicht mit. Das ist ungewöhnlich, hat aber den Vorteil, dass ein ungestörtes Gespräch in der Länge einer Halbzeit möglich ist. Ansonsten ist das Smartphone der ständige Begleiter des Netzwerkers, er telefoniert, schreibt Whats-App-Nachrichten und E-Mails. So hält er den Kontakt mit umworbenen Spielern und die Verbindung zu ehemaligen DJK-Spielern ist ebenfalls nie abgerissen. Der 29-jährige Verwaltungsangestellte plant zurzeit mit seinen Vorstandskollegen die neue Saison. Da ist wieder viel Überzeugungsarbeit gefragt. „Ich spreche die Sprache der Spieler“, sagt Krämer, der Baumeister der DJK Fußballabteilung.

 

Hand aufs Herz: Wie groß waren die Sorgen, nachdem die DJK einen klassischen Fehlstart aus der Winterpause hingelegt hat?

Das war schon eine harte Zeit und hat mir einige schlaflose Nächte beschert. Wenn du siehst das die Mannschaft alles gibt aber trotzdem Woche für Woche als Verlierer vom Platz geht, dann hinterfragt man sich automatisch, ob die getroffenen Entscheidungen richtig waren. Dann sind uns auch noch Spieler ausgefallen und wir haben gesehen, wie ungemein wichtig es war, dass wir lange Zeit keine Verletzten hatten. Die Erwartungshaltung an die Mannschaft war zeitweise einfach zu hoch. Denn natürlich ist die Mannschaft gut, aber in der Breite hatten wir unsere Probleme. Und das, was uns stark gemacht hat, dass wir  eingespielt waren und fast immer die gleichen Jungs gespielt haben, das schlägt dann schnell um, wenn ein paar Leistungsträger ausfallen. Das ist ein Teufelskreis.

 

War der Druck zu groß, der auf der Mannschaft lastete?

Ich will nicht sagen, dass uns die Puste ausging, aber Fakt ist: Die  Leichtigkeit der vergangenen Saison war plötzlich weg, die Mannschaft hat gemerkt das wir auch verlieren können. Ein völlig neues Gefühl, denn davor haben wir in drei Jahren so gut wie alles gewonnen. Das war sicherlich auch eine Kopfsache. Man hat das der Mannschaft angemerkt. Nehmen wir z.B. das Hinspiel gegen Boos: Da führen wir nach einer halben Stunde mit 2:0 und bekommen einen Elfmeter zugesprochen. Der Ball landet neben dem Tor und dann kommen die Spieler plötzlich ins grübeln. Zack bum, es steht 2:2 und den letzten hauen wir uns zur Krönung auch noch selber rein. Dann gehst du als Verlierer vom Platz und weißt nicht mal warum. Wir haben in der laufenden Saison verdammt viel Lehrgeld bezahlt. Oftmals haben nur Kleinigkeiten gefehlt, die uns am Ende die Punkte gekostet haben.

 

Was kann man dagegen tun, wenn alle Fälle davonzuschwimmen drohen? Im Grunde waren den Verantwortlichen doch die Hände gebunden.

Holger_Krämer_2013Das war so. Wir mussten improvisieren und die Jungs aus der zweiten Reihe in die Verantwortung nehmen. Denn die Erwartungshaltung an die Mannschaft konnten wir kaum mehr bremsen. Alle dachten: „Ihr könnt es doch schaffen, ihr seid so nah dran. Warum klappt es jetzt nicht mehr?“ Diese Gefahr war uns bewusst, deshalb haben wir auch vor der Rückrunde gesagt: Wir wollen uns von diesem Erfolg und dieser Entwicklung nicht blenden lassen. Denn bei uns war es ja so ein bisschen der Fluch der guten Tat: Die Mannschaft hat sich in den letzten Jahren zwei Schritte schneller entwickelt als gedacht. Aber in der B-Klasse brauchten wir dann natürlich auch in der Breite eine gewisse Anzahl an qualitativ hochwertigen Spielern. Das müssen und werden wir, im Hinblick auf die neue Saison,  angehen.

 

Kommen wir zur Zukunftsplanung: Thomas Lehmann wird neuer Chef-Trainer der ersten Mannschaft?

Richtig. Außerdem wird der Fußballvorstand bei den Neuwahlen im Juni ein anderes Gesicht bekommen, da mich in letzter Zeit einige Personen angesprochen haben, die gerne ehrenamtlich für den Verein arbeiten wollen. Zum Trainerteam: Außer Thomas Lehmann sind auch noch Ingo Busch sowie Markus Umbscheiden eingebunden. Das war mir wichtig, da ich zu Ingo und Markus ein freundschaftliches Verhältnis pflege. Wir haben festgestellt, dass die Aufgaben die auf den Trainer zukommen stetig wachsen. Deswegen macht es Sinn die Arbeit auf mehrere Schultern zu verteilen. Ich kann keinem Trainer sagen, du musst jetzt deinen Job aufgeben und hast dich nur noch auf den Fußball zu konzentrieren. Das war ein bisschen unser Manko in der abgelaufenen Spielzeit.

 

Hören die drei auf dich?

Ha ha, das klingt gut. Sie brauchen nicht auf mich zu hören, weil ihnen klar ist wie sie mit der Mannschaft umgehen müssen. Thomas z.B. ist schon seit einigen Jahren bei uns dabei und hat die Entwicklung akribisch verfolgt. Er beschäftigt sich noch intensiver mit Fußball als ich, da mache ich ihm nichts vor. Ich habe hohen Respekt vor seiner Fachkompetenz. Das gleiche gilt im übrigen auch für unsere Co-Trainer.

 

Wie sieht die Kaderplanung für die kommende Saison aus? Wird es Verstärkungen geben oder gibt es viele Abgänge?

Ich halte nicht viel davon vor dem 30. Juni (Abmeldefrist) über Namen zu sprechen. Wer kommt, wer geht, dazu sollte man sich vor diesem Termin bedeckt halten. Vereine geben Neuzugänge bekannt, die plötzlich ein besseres Angebot erhalten und dann schon vor der neuen Saison wieder weg sind. Das soll jetzt nicht so klingen als hätten wir keinen Plan in der Schublade. Der Kader der ersten Mannschaft wird vergrößert, das steht schon jetzt fest. Wir machen uns intensiv Gedanken und haben schon konkrete Vorstellungen, wie die Mannschaft aussehen könnte. Ich stehe deshalb im ständigen Kontakt mit meinen Vorstandskollegen.

 

Was hältst du davon: Ein Plaidter Team mit Plaidter Trainer?

Warum nicht? Das war immer unsere Idee und damit sind wir in den letzten Jahren gut gefahren. Bei den beiden Siegen gegen den Maifelder SV und die SG Andernach II haben jeweils 10 Plaidter in der Startelf gestanden. Ich höre natürlich die Stimmen im Umfeld die sagen: „Nur mit Plaidter Spielern werdet ihr nicht mehr aufsteigen.“ Darüber kann ich nur schmunzeln. Wer sagt denn, dass wir schon wieder aufsteigen wollen? Wir spielen in einer Klasse mit unseren Nachbarorten (Kruft, Saffig, Nickenich) und haben mehrere Derbys in der Saison. Das ist doch fantastisch. Als ich angefangen habe lag unsere Fußballabteilung am Boden. Kein Mensch hat sich für die DJK interessiert. Und heute? Bei Heimspielen haben wir des öfteren über 100 Zuschauer am Pommerhof. Ich weiß welches Potenzial in unserem Verein und im Ort Plaidt steckt. Wenn alle Plaidter Fußballer bei der DJK spielen würden, dann wäre die A-Klasse kein Traum, sondern ein greifbares Ziel. Aber davon sind wir noch ein gutes Stück entfernt.

 

Was sind denn dann deine Ziele?

Primär: Freude am Fußball zu vermitteln. Klar, das klingt jetzt etwas platt, aber ich sage das aus vollkommener Überzeugung. Nur wer Spaß am Sport hat, wird über kurz oder lang auch Erfolg haben. Dazu gehören nicht nur Siege, es geht hier um mehr. Freundschaften, gegenseitige Unterstützung, soziale Kompetenzen, auch zusammen Feiern, etc.. Unsere Spieler sind Vorbilder für die Jugend und so Verhalten sie sich auch. Es war mir damals, 2003 als ich bei der DJK angefangen habe, eine Ehre mit Jörg Wilhelmy, Gerd Stadtfeld oder den Körbers zusammen zu spielen. Genauso geht es der kommenden Generation. Die wollen irgendwann mal in einer Mannschaft mit Andi Samson, Jens Schommer oder Max Urmersbach stehen. Für die Jungs zählt sportlich nur die DJK, so wie für mich und für viele andere Leute in unserem Verein auch… das sind die wahren Adlerträger.

 

Wir schreiben den 17. Mai 2016, die DJK…

… hat einen neuen 1. Vorsitzenden. Außerdem spielen mindestens zwei Fußballmannschaften in der Kreisliga. Ich weiß schon wo die Frage hinführen soll, die Klassenzugehörigkeit ist für mich allerdings erst einmal zweitrangig. Das kann man nicht voraussagen, dafür gibt es zu viele Unwägbarkeiten. Wir sind auf einem guten Weg, werden in den nächsten Jahren einige Spieler aus der Jugend nach oben bekommen und dadurch die Senioren kontinuierlich weiter entwickeln. Mir ist es wichtig, dass sich unsere Kicker im Verein wohlfühlen, denn nur so kannst du eine hohe Spielerfluktuation ausschließen.

 

Wie siehst du die Entwicklung der Reserve?

Ich habe ja vor kurzem schon mal gesagt, dass die letzte Saison keine Leichte war. Durch die ständigen Trainerwechsel gab es logischerweise auch viel Unruhe. Hinzu kommt das Gerede von Außenstehenden, was manchmal schon groteske Züge angenommen hat. Generell bin ich jedoch zufrieden mit dem Ergebnis. Die Kreisliga D war in der abgelaufenen Saison eine Zwei-Klassen-Gesellschaft, von der wir die zweite Klasse angeführt haben. Das klingt gut, oder? Wir lernen ständig dazu, das gilt auch für die Zwote. Mit Robert Friedemann bekommt Kai Geil einen Mann zur Seite gestellt, der schon einige Verdienste im Verein hat und zudem ein ausgesprochen lustiger Zeitgenosse ist. Er passt wie die Faust aufs Auge. Wichtig ist ganz klar, dass die gegenseitige Unterstützung zwischen der 1. und 2. Mannschaft vorhanden sein muss. Kein Spieler der Ersten darf sich zu Schade sein um in der Zwoten auszuhelfen, das gleiche gilt anders herum natürlich genauso. Wer das nicht akzeptiert, sollte mit mir darüber sprechen.

 

Du hast gesagt du möchtest selber nicht mehr aktiv auf dem Platz stehen. Warum?

Grundsätzlich sollte man sich selber nie zu wichtig holen. Die Aussage ist so aber auch nicht ganz richtig. Ich habe gesagt, ich werde jetzt erst mal eine Pause als aktiver Spieler einlegen, vielleicht ein Jahr, vielleicht zwei Jahre, da ich zur Zeit auch noch andere Projekte verfolge. Außerdem habe ich gemerkt, dass meine Position im Vorstand und mein Spielerdasein teilweise nicht miteinander vereinbar sind. Dass ich nie mehr für die DJK-Senioren auflaufen werde, halte ich hingegen für ausgeschlossen. Schließlich habe ich meinem Schwager versprochen, dass wir eines Tages gemeinsam auf dem Platz stehen werden. 🙂

 

Deine letzten Worte?

Es gibt nicht nur Sonne im Leben, man muss auch den Schatten verkraften! 😉